Saarbrücker Zeitung vom 25.06.2009
Stimmen lassen Wände vibrieren
Maybebop sang A-capella in Hülzweiler
Von draußen klang es wie ein gutes, normales Konzert mit Bass und Schlagzeug. Drinnen aber in der Hülzweiler Halle: nur Stimmen. Das ist Maybebop. 650 Begeisterte hörten die Gruppe samt den gastgebenden „Jung und Sing“.
Von SZ-Mitarbeiterin Sarah Fischer
Hülzweiler. Ein Bass, der die Halle im wahrsten Sinne des Wortes zum Vibrieren brachte, ein wildes Schlagzeug, tolle Sänger und intelligente und amüsante Texte: In Wirklichkeit alles nur Stimmen, kein einziges Instrument beim Konzert von Maybebop und Jung und Sing in Hülzweiler.
Denn bei der Formation Maybebop handelt es sich um eine A-Cappella-Formation, bestehend aus den vier Mitgliedern Sebastian Schröder, Oliver Gies, Lukas Teske und Jan Bürger, die ihr Programm „Endlich authentisch!“ vorstellten. Und dass sie authentisch sind, zeigen sie auch.
Die Stücke stammen überwiegend aus der eigenen Feder, die wenigen Cover-Versionen bekommen einen eigenen Schliff verpasst. Die Medienwelt, Starrummel und TV-Shows aller Art werden auf die Schippe genommen, doch statt sich über alle anderen zu stellen, nehmen sich die vier Männer selbst nicht allzu ernst. Leichtfüßig tanzen sie über die Bühne, geben kleine Comedy-Einlagen, streiten und vertragen sich und machen vor allem eines: Musik.
Schnell vergisst man, dass tatsächlich keinerlei Musikinstrumente zum Einsatz kommen, sondern die vier Männer wirklich alles mit ihren Stimmen machen. "Unglaublich“ denkt sich sicher der eine oder andere, wenn Schröder mit seinem Bass Hallenwände und Boden zum Vibrieren bringt, während Lukas Teske als wild gewordenes Schlagzeug über die Bühne fegt.
Die Texte beschäftigen sich mit allem, was gerade aktuell ist: Fernsehen, Liebe und Leben. Oder was ein gelangweilter Fötus im Mutterleib so denkt – er schreibt Songs und parodiert mal eben die Rockgruppe Rammstein – dank Maybebop wissen wir das nun. Auch wenn Maybebop eine riesige Fangemeinde haben, waren sie nicht das einzige Highlight an diesem Abend in Hülzweiler. Der Chor „Jung und Sing“, der seit fast 20 Jahren besteht, gab ebenfalls A-cap-
pella-Titel aus den unterschiedlichsten Bereichen zum Besten: sei es die „perfekte Welle“ von Juli, „it’s raining men“ von den Weather Girls oder gar „smells like teen spirit“ von der Grunge-Band Nirvana. Die Sieger beim Lande-
schorwettbewerb Saar 2005 boten den Zuhörerinnen und Zuhörern ein abwechslungsreiches Programm.
Ein außergewöhnlicher Musikabend in Hülzweiler. Tosender Applaus und laute Rufe nach Zugaben beendeten den Abend.
